Grazie mit Denkerstirn

GQ.Com, 12. Januar 2004
Von Bernhard Lermann

Ab und an schaffen es Kino-Filme, aus Schauspielern Stars zu machen. Der Fall Johansson ist ein besonders schönes Beispiel

Schon mit acht Jahren stand die New Yorkerin Scarlett Johansson neben Ethan Hawke ("Training Day") auf der Broadwaybühne im Stück "Sophistry". Vor Jahren fiel sie dann als traumatisiertes Mädchen in dem Kinohit "Der Pferdeflüsterer" auf. Jetzt gab sie in "Lost in Translation" völlig glaubwürdig die verträumte und leicht desorientierte junge Ehefrau neben dem übergrossen Bill Murray. Mit ihm gemeinsam aber hat sie die grosse schauspielerische Gabe sowie die Anzahl der Stirnfalten, wenn es ans Grübeln geht.

Scarlett Johansson hat sicher den besten Start in eine neues Filmjahr hingelegt, den sich ein Schauspieler wünschen kann. In den USA wurde Johansson gleich zwei Mal für einen Golden Globe nominiert - für ihre Rollen in "Lost in Translation" sowie in dem Drama "Das Mädchen mit dem Perlenohrring". Der Golden Globe ist gewöhnlich ein sicherer Indikator für den Oscar. Die Anwärter für die begehrteste Filmtrophäe der Welt werden in wenigen Wochen bekannt gegeben.

Der Fall Johansson zeigt, wie schnell die Stadt der Träme sein kann, wenn es darum geht, buchstäblich über Nacht Stars zu gebären. Scarlett selbst ist dadurch endlich in einer besseren Position innerhalb der Tretmühle Hollywood: "Ich habe es so satt, dass mich die Casting-Regisseure fragen, ob ich erkältet bin." Die gleichen Filmleute werden ihre sehr besondere Stimme ab jetzt verehren und dafür sterben, auch nur ein rau gehauchtes "Guten Morgen!" von Scarlett empfangen zu dürfen.

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