Porträt Scarlett Johansson

Bayerischer Rundfunk Online, 6. Januar 2004

Eine 19-Jährige hinterlässt bleibenden Eindruck: Scarlett Johansson gehört spätestens seit "Lost in Translation" zu den gefragtesten Jungstars Hollywoods.

"Sie ist 13, aber sie geht auf die 30 zu". So hat Robert Redford vor Jahren Scarlett Johansson beschrieben, die für die ursprünglich vorgesehene Natalie Portman einsprang und so, als traumatisierte Tochter von Kristin Scott Thomas in Redfords Melodram "Der Pferdeflüsterer", erstmals international auf sich aufmerksam machte. Für ihre Darstellung in "Lost in Translation" wurde die 19-jährige bei den 60. Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem "Premio Controcorrente" ausgezeichnet.

Die 1984 geborene New Yorkerin, die mit acht Jahren an der Seite von Ethan Hawke in einer Off-Broadway-Aufführung von Jonathan Mark Shermans "Sophistry" ihr Debüt als Schauspielerin gab, unterscheidet sich vom gewohnten Hollywood-Nachwuchs. Johansson wirkt reifer, lebenserfahrener und geheimnisvoller, als es ihre Jugend vielleicht erwarten lässt. Sie hat schon früh auf ungewöhnliche Projekte gesetzt, die sie als Persönlichkeit fordern.

Die Tochter eines dänischen Vaters und einer Mutter mit polnischen Wurzeln trat erstmals in Rob Reiners Satire "North" vor eine Filmkamera. Ein Jahr später war sie als Sean Connerys Tochter in Arne Glimchers Thriller "Im Sumpf des Verbrechens" und schließlich auch in der romantischen Komödie "Wenn Lucy springt" zu sehen, dem ersten von zwei Filmen für Regisseur Eric Schaeffer. Nach diesen kleineren Auftritten ergatterte sie mit 12 Jahren ihre erste Hauptrolle, spielte in Lisa Kruegers Dramödie "Manny & Lo" die fünf Jahre jüngere, aber deutlich reifere Schwester eines schwangeren Teenagers. Für diese Darstellung wurde sie für einen Independent Spirit Award nominiert.

Nach den Komödien "Wieder allein zu Haus" und "Immer Ärger mit Schweinchen George", beide mit Hollywoods Kinderstar Alex D. Linz, fand sie mit "Ghost World" an der Seite von Thora Birch erneut ein Projekt, in dem man sie erwachsener wahrnahm, als sie es dem Alter nach war. Kaum 15-jährig ging sie als anmutige Jungpianistin Billy Bob Thorntons Friseur in "The Man Who Wasn't There" nicht mehr aus dem Kopf und überzeugte auch als Nastassia Kinskis jüngste Tochter in Evá Gárdos' autobiographischem Familiendrama "An American Rhapsody".

Gerade hat sie "Girl With a Pearl Earring" abgedreht. In dem Drama von Peter Webber spielt sie das Mädchen, das Johannes Vermeer für eines seiner berühmtesten Bilder Modell stand. Weitere Filme stehen in den Startlöchern: Brian Robbins' "The Perfect Score", worin sie zu einer Gruppe von Schülern gehört, die für bessere Testergebnisse Prüfungsfragen stehlen. In Shainee Gabels mit John Travolta besetztem Drama "A Love Song for Bobby Long" setzt sie sich mit dem Tod ihrer Mutter auseinander. Schließlich wartet mit Mike Barkers "A Good Woman" eine Neuverfilmung von Oscar Wildes "Lady Windermere's Fan", in der sie mit dem Mann verheiratet ist, den ihr Helen Hunt als Rivalin auszuspannen versucht.

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