Beauty Talk : Scarlett Johansson

InStyle, Mai 2004
Von Angela Matusik

Scarlett Johansson, Schauspielerin über Frisurexperimente und ihren Lippenstift-Tick

Sie ist gerade mal 19 Jahre alt, spielte aber bereits altgediente Hollywood-Stars an die Wand: Scarlett Johansson. Los ging's mit 11 als Sean Connerys Filmtochter Kate in dem Thriller "Just Cause - Im Sumpf des Verbrechens" (1995). Danach beeindruckte sie das Publikum und Kritiker als Grace, die in Robert Redfords "Pferdeflüsterer" (1998) bei einem Reitunfall ein Bein verliert. Und gerade brillierte sie an der Seite von Bill Murray als Charlotte in der bittersüßen Komödie "Lost in Translation". Aber Scarlett Johansson ist nicht nur eine Vollblutschauspielerin, die das erste Mal mit acht Jahren in New York auf der Bühne stand und mit Ethan Hawke im Off-Broadway-Stück "Sophistry" auftrat. Die temperamentvolle Halbdänin ist auch bekennender Make-up Junkie und passionierte "Haarfarbe, wechsle dich!"-Spielerin.

Sie hatten doch früher dunkles Haar. Seit wann sind Sie eine Blondine?
Meine Haare hatten wirklich jahrelang ihre natürliche Farbe. Als ich dann 2003 für die Komödie "The Perfect Score" (läuft am 20. Mai in Deutschland an) vor der Kamera stand, musste ich sie mir färben. Zum ersten Mal in meinem Leben. In dem Film spiele ich nämlich eine punkige Highschool-Göre mit dunkelvioletten Haaren. Und seitdem experimentiere ich. Zurzeit bin ich eben blond.

Und einen neuen Haarschnitt haben Sie seit kurzem auch ...
Ja. Meine Haare sind jetzt ziemlich kurz, aber mit längeren, gefransten Stufen. Eine ganze Weile lang trug ich eine ganz freakige Siebzigerjahre-Fußballerfrisur, oben kurz und hinten lang. Sie wird Mullet genannt. Die hat mir mein Freund Fabrice Gili, der in dem Salon von Starfriseur Frederic Fekkai in Los Angeles arbeitet, geschnitten.

Gut, dass Sie diesen Look ansprechen. Das hätte ich mich nicht getraut ...
Warum denn nicht? Das war irre komisch. Ich hatte sogar ein T-Shirt, auf dem Mullet Pride stand, und hinter meinem Rücken haben sich die Leute tierisch aufgeregt. Jetzt ist mein Fußballerlook leider Vergangenheit.

Sind Sie denn beim Make-up genauso experimentierfreudig wie mit Ihren Haaren?
Ich glaube, ich habe eine Tonne Beauty-Produkte. Als wir "Lost in Translation" in Tokyo gedreht haben, bin ich voll dem Kaufrausch verfallen und habe erst mal meine Sammlung kitschiger Lippenstifte und schräger Nagellacke aufgestockt. Manchmal ist es richtig peinlich, wenn ich männliche Freunde zu Besuch habe. Die flippen jedes Mal völlig aus und schreien: "Heiliger Strohsack, hast du viel Make-up!" Ich möchte nicht, dass sie denken, ich kleistere mich zu mit dem Zeug. Ich liebe es einfach, Schminkutensilien zu kaufen und zu besitzen. Ich fasse die Produkte gern an und finde es klasse, andere damit zu stylen.

Wie sieht denn Ihr Alltags-Make-up aus?
Ich trage immer Mascara und benutze Concealer unter den Augen. Seit meinem elften Lebensjahr, habe ich nämlich dunkle Augenränder. Die decke ich mit "Quick Corrector" von Clinique ab. Bei Mascaras bin ich bei der Marke nicht so festgelegt. MAC hat eine Reihe guter Sachen. Aber im Moment gibt es nur ein Produkt, auf das ich total abfahre: das Lipgloss von Trish MclEvoy (gibt's nur bei Harvey Nichols in London). Der macht die Lippen herrlich weich und klebt nicht.

In Ihrem Film "Girl with a Pearl Earring" gibt es diese grandiose Szene, in der Colin Firth Sie bittet, Ihre Lippen mit der Zunge zu befeuchten, damit sie schön glänzen ...
Ja, ich erinnere mich. Glossy Lippen sind wahnsinnig sexy. Ich liebe Lipgloss. Lippenstift dagegen verwende ich nur selten. Ich habe nämlich sehr volle Lippen. Wenn ich die zu stark schminke, sieht es aus, als wäre mein ganzes Gesicht ein einziger Kussmund. Das vermittelt eine Message, die ich zumindest nicht täglich rüberbringen will.

Was sind Ihre besten SOS-Beauty-Tipps?
Für Pickelchen und Rötungen habe ich immer den Abdeckstift "Pro Spot Concealer" von Shu Uemura in der Tasche. Der funktioniert fabelhaft. Die Spitze ist geformt wie ein Wattestäbchen. Damit kann man ganz präzise und sauber arbeiten. Das Beste ist aber, dass er nicht nur gut abdeckt, sondern mit Macadamianussöl auch super pflegt. Außerdem habe ich immer Wattestäbchen in meiner Tasche. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer wilden Party und entdecken auf der Toilette, dass Ihr Make-up völlig verschmiert ist. Wattestäbchen raus - und schon ist das Desaster behoben! Übrigens kann man mit den Wattestäbchen auch bestens noch Concealer auftragen, der schon ein wenig eingetrocknet ist.

Ist Ihnen schon mal ein richtig schlimmer Beauty-Unfall passiert?
Und ob! Als ich das erste Mal meine Augenbrauen zupfte, sind sie viel zu dünn und ungleichmäßig geraten. Gott sei Dank habe ich es wenigstens geschafft, sie nachzuzeichnen. Nachdem ich die Sache dann aber langsam raus hatte, habe ich meine Freundinnen mit der Pinzette regelrecht verfolgt und ihnen nachgerufen: "Ihr müsst zupfen, ihr müsst zupfen!"

Geboren: 22.11.1984 in New York
Karriere: Filmerfolge u.a. mit "Der Pferdeflüsterer" (1198), "Arac Attack" (2002) und "Lost in Translation" (2003)
Privat: Lebt abwechselnd in ihrer Heimat New York und in Hollywood

i: www.scarlettjohansson.org Biografie, Filmografie und viele Fotos

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