Nahaufnahme : Scarlett Johansson

Glamour, 8. Mai 2004
Von Katja Hofmann

Schneller Ruhm hat seine Tücken? Nicht für Scarlett Johansson

Seit "Lost in Translation" gilt sie in Hollywood als "Hot Stuff" und macht Werbung für Calvin Klein. Doch Scarlett Johansson nimmt die Aufregung sehr gelassen - schließlich dreht sie Filme, seit sie acht ist. Ihre derzeit beste Taktik gegen das Abheben: für andere den Fußboden schrubben

Schon wieder so ein Ort, irgendwo im Nirgendwo: Gerade noch wanderte Scarlett Johansson wie in einer Zeitblase durch das Luxushotel in "Lost in Translation", jetzt sitzt sie in einer Fabrikhalle in einem unwirklichen Industriegebiet von Luxemburg. Sie dreht hier gerade das Kostümdrama "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", das bei uns im Herbst anlaufen wird.

Was haben Sie denn da an? Einen Kartoffelsack?
Sieht so aus, nicht? Dabei habe ich mich jetzt endlich an das Kostüm gewöhnt. Ich spiele die holländische Magd Griet im 17. Jahrhundert. Meine Hände sind übrigens deshalb so rot und zerschunden, weil ich im Film den ganzen Tag schrubben muss. Dafür kann man am Abend hier vom Boden essen.

Warum haben Sie sich direkt nach "Lost in Translation" eine Rolle gesucht, die komplett anders ist?
Als ich jünger war - so zehn oder elf -, da haben die Filmproduzenten immer gesagt: "Ja, sie ist gut, aber sie hat ein sehr modernes Gesicht." Ich wollte nun zeigen, dass ich nicht nur "modern" sein kann. Und ich mag die Griet. Ich rede in diesem Film nur sehr wenig. Mleine Augen, mein Gesicht sprechen viel lauter als meine Worte. Ich mag kein unnötiges Rumlabern. Wenn man ständig nur redet. kommt das Herz nicht zu Wort.

Wie ähnlich kann die Rolle einer Magd Ihnen überhaupt sein?
Ziemlich. Mein Ehrgeiz, mein starker Wille, meine Begeisterungsfähigkeit - das alles hat sie auch.

Sie haben schon mit acht Jahren mit der Schauspielerei angefangen. War das Ihr Wunsch oder hat Ihre Mutter, sie war Hausfrau, Sie gedrängt?
Nein, meine Mutter war eher skeptisch. Sie fand, ich sei zu jung. Aber ich war ganz wild drauf, zu Castings zu gehen. Ich weiß noch, dass ich am Ende eines Drehtags immer sagte: "Klar geht's mir gut. Mami - kann ich bitte einen Hot Dog haben?" Dieses wunderbar entspannte Gefühl, das ich schon als Kind auf einem Film-Set hatte, das habe ich mir bewahrt.

Sind Sie früher als andere Mädchen erwachsen geworden, weil Sie von klein auf gearbeitet haben?
Kann sein. Als Teenager ist man ja oft total durcheinander. Beim Dreh zum "Pferdeflüsterer" ging es mir so, da hab ich mich selbst oft nicht verstanden. Aber ich habe auch viel gelernt. Vor allem, dass man sich und seine Gefühle ernst nehmen muss.

Jetzt, bei all der Publicity um Ihre Person, wird es vielleicht nicht ganz einfach sein, Sie selbst zu bleiben...
Stimmt. Das wird zunehmend schwieriger und es macht mir auch manchmal etwas Angst. Ich habe gerade gelesen, dass Jennifer Lopez sich darüber beklagt, ständig in den Medien zu sein. Aber, ehrlich gesagt: Ich glaube, in so eine Situation kommt man nicht, wenn man es selbst nicht auch will.

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