Stars des Monats : Scarlett Johansson

Cinema, Februar 2004
Von Philipp Schulze

Mit Sofia Coppolas warmherziger Seelen-Romanze LOST IN TRANSLATION empfiehlt sich die freche Teenie-Frau für ihren ersten Oscar

Man muss schon eine Menge Arschlöcher küssen, bevor man den richtigen Typen trifft", sagt Scarlett Johansson selbstbewusst. Der artige Weisheiten zeigen, dass die 19-Jährige mit der rauchigen Stimme, dem Girlie-Outfit und den zahlreichen Körperpiercings an Ohren und Bauchnabel ihrem jungen Alter einen weiten Schritt voraus ist. Denn mit 17 Filmen in 10 Jahren kann sie bereits auf eine Menge Erfahrung zurückblicken.

Während sich ihre gleichaltrigen Konkurrentinnen in Horror-Gemetzeln die Köpfe abschlagen ließen, avancierte die gebürtige New Yorkerin in eher künstlerischen Projekten wie dem Teenagerdrama "Ghost World" (2000) und der Film-noir-Hommage "The Man Who Wasn't There" (2001) zur minderjährigen Muse Midlife-Crisis geplagter Stars wie Steve Buscemi und Billy Bob Thornton.

Auf die Frage, warum sie auf alte Säcke derart faszinierend wirkt, weiß sie schnell eine Antwort: "Na weil Jugend attraktiv macht und Männer das Älterwerden ausschließlich am Verfall ihres Körpers merken. Eine junge und fruchtbare Frau hilft ihnen dabei, diesen Prozess psychisch zu verarbeiten." Indes fürchtet sich die Tochter eines Unternehmers und einer Produzentin nicht vor dem Älterwerden. Im Gegenteil: "Ich fühle mich zwar nicht gerade wie eine erwachsene Frau, aber ich freue mich schon darauf, wählen zu dürfen - und Pornos zu kaufen, wann immer ich will!" Das Saufen wird sie dann wohl auch noch entdecken.

Nachdem sie schon als Kind die renommierte Lee-Strasberg-Schauspielschule in New York besucht hatte, feierte das jüngste von vier Kindern mit zehn Jahren in Rob Reiners Familienkomödie "North" ihr Leinwanddebüt. Vier Jahre später errang sie mit ihrer Rolle als traumatisierte Teenagerin in Robert Redfords Klepper-Melodram "Der Pferdeflüsterer" erstmals internationale Aufmerksamkeit.

Dass sie sich ihre Sporen mit ambitionierten Kritikerfilmen verdient hat, begründet der passionierte Coldplay-Fan mit der "kreativen Dürreperiode" in Hollywood: "Ich möchte eine Revolution im Filmgeschäft starten. Die Leute sind wieder hungrig auf innovative Filme." Das preisgekrönte romantische Drama "Lost in Translation" von Regisseurin Sofia Coppola (mit Ex-"Ghostbuster" Bill Murray) und die 2004 startende Biografie des niederländischen Malers Johannes Vermeer, "The Girl with a Pearl Earring", sollen diesen Aufstand einläuten.

Doch die inzwischen in L.A. lebende Johansson hat sich keineswegs auf anspruchsvolle Kinokost festgelegt: So wird die Highschool-Abbrecherin im nächsten Jahr in der Teeniekomödie "The Perfect Score" knifflige Abschlusstests stehlen. Außerdem bewies sie bereits in der Trash-Hommage "Arac Attack - Angriff der achtbeinigen Monster", wieviel Potenzial als hysterisches Kreisch-Girlie in ihr steckt.

Denn, so sagt sie, Möbel müsse sie ja schließlich auch noch kaufen - "und der Ruhm kann sehr schnell vorbei sein". Hier allerdings können wir die 19-Jährige Filmveteranin beruhigen: Um ihre berufliche Zukunft muss sie sich bestimmt keine Gedanken machen.

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